Homeoffice & internationale Tätigkeiten: Wann entsteht eine Betriebsstätte?
In der heutigen Arbeitswelt laufen viele Prozesse digital ab. Physische Präsenz ist weder gegenüber Kunden noch innerhalb von Teams zwingend erforderlich. Was operativ sinnvoll ist, wird steuerlich jedoch häufig unterschätzt: das Risiko einer Betriebsstätte.
Eine Betriebsstätte entsteht nicht nur durch ein gemietetes Büro oder eine offizielle Niederlassung. Aus steuerlicher Sicht liegt sie bereits dann vor, wenn ein Unternehmen in einem Staat eine feste wirtschaftliche Präsenz hat und dort wesentliche unternehmerische Tätigkeiten ausgeübt werden.
Entscheidend ist dabei nicht die Absicht, sondern die tatsächliche Praxis. Es kann bereits ausreichen, wenn die Geschäftsleitung oder eine Schlüsselperson beispielswiese an einem bestimmten Ort regelmässig:
- Verträge abschliesst
- Rechnungen freigibt
- operative oder strategische Entscheidungen trifft
Gerade bei internationalen Strukturen mit Homeoffice oder operativer Leitung aus dem Ausland wird dieses Risiko oft zu spät erkannt.
In der Praxis wird dann häufig argumentiert: „Ich bin zu klein, das merkt niemand.“
Es gibt keine Verrechnungspreisstrategie, keine Steuerausscheidung und keine saubere Dokumentation.
Problematisch wird es, wenn sich nach einigen Jahren beide Staaten zuständig fühlen. Die Schweiz erhebt Steuern auf Basis der vollständigen Veranlagung. Stellt das Ausland später fest, dass ebenfalls eine steuerliche Betriebsstätte bestand, drohen Nachforderungen. Selbst bei bestehenden Doppelbesteuerungsabkommen kann es zu Doppelbesteuerung, Verzugszinsen und Bussen kommen – insbesondere dann, wenn die Betriebsstätte nicht korrekt deklariert wurde.
Fazit:
Betriebsstätten entstehen nicht auf dem Papier, sondern durch gelebte Praxis. Unternehmen mit internationalen Tätigkeiten sollten ihre Strukturen regelmässig überprüfen und steuerlich klar einordnen, bevor daraus unnötige Risiken entstehen.
Rolle des Treuhänders
Die TREUFiN Reuter AG unterstützt Unternehmen dabei, internationale Tätigkeiten korrekt einzuordnen und steuerlich sauber abzubilden. Sie weist auf mögliche Risiken hin, sorgt für nachvollziehbare Dokumentation und koordiniert bei Bedarf mit Steuerberatern im Ausland. So können steuerliche Fragen frühzeitig geklärt und unnötige Diskussionen mit Behörden vermieden werden.